Rudolf FlenderHobby Meterologe ("Wetterfrosch")geb. am 17. 1. 1936wohnhaft in Kredenbach, BahnhofstraßeEr unterhält seit 1956 die zweitälteste “private Messstation” im Südwestfälischen RaumAm 11. September 2001 hielt Rudi Flender auf Wunsch des Bürger- und Kulturvereins im Gemeindezentrum Kredenbach einen Vortrag über das Wetter in Kredenbach und die Wetterkunde im allgemeinen.Die Zuhörer an diesem Abend waren erstaunt und begeistert über die profunden Kenntnisse der Wetterkunde von Rudi Flender. |
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Hier ein Auszug aus dem Vortrag von Rudi Flender am 11. 9. 2001 in Kredenbach der mit zahlreichen Tabellen und Diagrammen gespickt war.Im Siegerland regnet es an 171 Tagen im Jahr Das darf doch wohl nicht wahr sein! Regnet es bei uns wirklich fast an jedem zweiten Tag. Doch das stimmt tatsächlich. Im 40jährigen Mittel muss man im Siegerland mit so viel Regentagen rechnen. Wo gibt es denn bei uns eine Wetterstation, die eine so lange Beobachtungsreihe vorweisen kann? Es ist die "private Messstation" von Rudolf Flender aus Kredenbach. Übrigens ist dies die Zweitälteste "Wetterstation" im südwestfälischen Raum. Die offizielle vom Deutschen Wetterdienst (DWD) auf dem Kahlen Asten betriebene Station ist nur 1 Jahr älter (1955). Die Station Lüdenscheid (ebenfalls DWD) ist erst wenige Jahre alt und die nicht zum DWD gehörende Station auf dem Haardter Berg (Uni) gibt es erst seit 1968. Das Badezimmerfenster an der Ostseite In diesem Jahr gibt es bei Flenders in Kredenbach gleich 2 Gründe zum Feiern: "Wetterfrosch" Rudi wurde am 17. Januar 60 Jahre als und seine "Wetterstation" gibt es nun schon seit 40 Jahren. Als 1953 das neue Haus in der damaligen Kredenbacher Bahnhofstraße bezogen wurde, hatte sich Grete Rudi" (der alte Hausname hat sich bis heute gehalten) schon einen Platz für seine "Station" ausgesucht. Das Badezimmerfenster an der Ostseite des Hauses schien optimal. 2 Grundvoraussetzungen waren auf jeden Fall erfüllt: Das Fenster lag ca. 2 m über dem Erdboden und es lag den ganzen Tag im Schatten, wenn man von wenigen Vormittagen im Hochsommer absieht. Es sollte aber noch bis zum Januar'1956 dauern bis Rudolf Flender mit seinen meteorologischen Aufzeichnungen begann. Als Registriergeräte der "Urstation" gab es ein Barometer in der Küche. Ein "Minimum und Maximum-Thermometer" sowie ein Präzisionshaarhygrometer hingen an der Badezimmeraußenwand. Der "Regenpott" stand im Garten. Niederschlagsmessgerät war jahrzehntelang eine quadratische Plastikkaffeedose mit flachem Boden und einer Auffangfläche von 10 mal 10 cm. Diese Dosen gab es damals in jedem Siegerländer "Dorfkonsum". Sie hatten sogar eine millimetergenaue Skala an der Seite. Diese Dosen wurden schon in den 60iger Jahren immer seltener. Holland in Not war jedes Mal, wenn im Winter eine dieser Dosen kaputt fror. Nur noch ein Exemplar rettete sich hinüber in die 50iger Jahre. Es wurde gehütet wie der eigene Augapfel, wurde es doch Wintertags zum Schneemessen benötigt. Für den Sommerbetrieb gab es bereits einen "modernen Raiffeisenregenmesser". Von der Anfangstation existiert heute nur noch das Barometer. Trotz eines breitgefächerten Angebotes, schwört Rudolf Flender heute immer noch auf Haarhygrometer. Als Regenmesser fungiert heute ein handelsübliches Plastikgefäß, wie man es z. B. bei der "Bäuerliche" erwerben kann. Dieses ist allerdings bei täglichen Regenmengen von mehr als 35 mm, das gibt es im Siegerland immer wieder, zu klein. Heuernte erst bei grünem Licht aus Kredenbach Als "Wetterfrosch" ist Rudi Flender in Kredenbach und bei seiner ehem. Arbeitsstelle ein Begriff. Das gipfelte oft darin, dass seine Kollegen, oder auch Leute aus dem Betrieb, die ihn einfach nur so kannten, ihren Urlaub so legen wollten, wie er ihn gelegt hatte.Angeblich gab das ja Garantie für einen sonnenscheinreichen Urlaub. Aber auch für die vielen Nebenerwerbslandwirte bei seiner Arbeitsstelle waren Rudis Wettervorhersagen von Bedeutung. So wurde mit dem Heumähen erst begonnen, wenn Rudi ein beständiges Hochdruckgebiet herannahen sah. Doch nicht nur als "Wetterfrosch" ist Rudolf Flender bekannt. Man. weiß auch, dass er ins Vereinshaus geht und sich als engagierten Christen bezeichnet. Aber auch in der ev. Gemeinschaft ist sein meteorologischer Rat immer jeder gefragt, wenn es z. B. um Gemeindewanderungen oder Freiluftgottesdienste geht. Mit 40jähriger Erfahrung kann man auch schon mal seine eigene regionale Wettervorhersage wagen, auch wenn diese nicht mit der offiziellen Vorhersage vom DWD übereinstimmt. Seine Prognosen sind meistens zu vorsichtig (zumindest bei unsicheren Wetterabläufen). Seine Trefferquote ist dadurch aber sehr hoch. Was in Kredenbach so alles registriert wird... Doch nun soll es doch noch "wissenschaftlich" werden: Rudis Wetterstation befindet sich in Kreuztal-Kredenbach auf NN+315 m. Seit 1956 wird 3 mal täglich registriert: Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und Barometerstand. Täglich werden festgehalten: Niederschlagshöhe, Niederschlagsform (Regen, Hagel, Schnee, etc.), Windrichtung und Windstärke (größte Tagesstärke geschätzt). Die Bewölkungsstärke wird ebenfalls geschätzt (Stärke 0= absolut wolkenlos bis Stärke 8= 24 Stunden bedeckt). Bei der Bewölkungsstärke lässt Rudi nicht mit sich spaßen. Bereits der kleinste Circusstreifen macht einen wolkenlosen Tag zunichte! Die täglichen Wetterdaten werden dann noch grafisch dargestellt. Saisonal werden noch folgende Daten festgehalten: Sommertage (Temperatur zeitweise zwischen 25 u. 29,9 °C), Tropentage (Temperatur zeitweise über 30 ° C), Frosttage (Temperatur zeitweise unter 0 °C), Eistage (Temperatur den ganzen Tag unter 0 °C), Tage mit Schneefall und Tage mit Schneedecke (> 2 cm). Aus der Fülle der ganzen Daten werden dann Dekadendurchschnitte, Monats-, Jahreszeit- und Jahresdurchschnitte errechnet. Am Jahresende kann man dann anhand der Temperatur-, Luftfeuchtigkeit-, Barometerstand-, Windrichtung-, Windstärken-, Bewölkungsstärken- und Niederschlags Diagramm schön die einzelnen Großwetterlagen verfolgen. Das 40 - jährige Bestehen der "Wetterstation Kredenbach" wurde zum Anlass genommen, eine Klimatabelle von Kredenbach zu erstellen. Neben den meteorologischen Daten werden auch astronomische Ereignisse wie z. B. Anzahl von Sonnenflecken oder das Auftreten von Nordlicht erfasst. Nach 40jähriger Beobachtung der Sonnenfleckenhäufigkeit, kann man schon Rückschlüsse auf unsere Wetterabläufe ziehen. Rudolf Flender ist auch engagierter Naturbeobachter. So hält er seit 40 Jahren fest: Beginn der Frühjahrsblüte (von Schneeglöckchen bis zu Kirschblüte), Beginn der Blattknospung bei den gängigen Siegerländer Laubbäumen und das Ende des herbstlichen Laubfalls. Auf diese biologischen Abläufe hat natürlich das Wetter einen entscheidenden Einfluss. Seit September 1957 bezieht Rudolf Flender täglich die Wetterkarte des DWD vom Wetteramt Offenbach. Es ist immer wieder spannend, die Wetterabläufe auf der nördlichen Halbkugel mit denen des Siegerlandes zu vergleichen. Ein Vergleich zwischen Wetterkarte und Beobachtung in Kredenbach ermöglicht oft präzise Regionalvorhersagen. Diese müssen nicht unbedingt mit den offiziellen Wetterberichten der Rundfunk- und Fernsehanstalten übereinstimmen! Chronik der außergewöhnlichen meteorologischen Ereignisse 1956, direkt im ersten Beobachtungsjahr, gab es den kältesten Februar der letzten 40 Jahre. Das Monatsmittel der Temperatur betrug -8 °C. 1959 war ein extrem trockenes Jahr. Es fielen nur 631 mm (Liter/qm) Regen. Vom 02.08. 21.10. fiel kein nennenswerter Niederschlag. Der September 1959 war mit 4,6 mm der bisher trockenste Monat der letzten 40 Jahre, (vgl. Diagramm Nr. 4 u. Tabelle Nr. 4) In den Jahren von 1957 bis 1959 gab es 9 mal Nordlicht. Im Jahr 1961 war der Mai kälter als der April und der September wärmer als alle Sommermonate! Mit einem Monatsmittel von -1,4 °C war der März 1962 kältester "Wintermonat". Im gleichen Jahr gab es einen sehr kalten Sommer mit einer Durchschnittstemperatur von nur 13,1 °C. Es gab nur 3 Sommertage! Der letzte Nachtfrost wurde am 05.06. festgestellt. Mit einer Durchschnittstemperatur von -5,7 °C war der Winter 1962/63 der kälteste Winter der letzten 40 Jahre. Besonders extrem gestaltete sich der Januar mit einem Monatstemperaturmittel von -8,0 °C. Es gab durchgehend Eistage vom 07.01-06.02. Frosttage gab es ohne Unterbrechung vom 13.12.1962 bis 08.03.1963! Eine geschlossene Schneedecke lag in Kredenbach vom 14.12.1962 bis 11.03.1963. 1965 war das Regenjahr schlechthin. An 217 (!) Tagen fiel das kühle Nass vom Himmel. (vgl. Diagramm Nr. 1) Besonders negativ ragen der Juli mit 224 mm und der Dezember mit 358 mm aus den Regenfluten heraus. Ein schwarzer Tag für das nördliche Siegerland war der 02.09.1965. In der Nacht zum 03.09. richtete ein Gewitter mit Starkniederschlägen und Orkanböen extreme Schäden an. Die Unwetterberichterstattung nimmt die gesamte Titelseite der SZ vom 03.09.1965 in Anspruch. In der SZ vom 04.09. schreibt man von Millionenschäden, obwohl das entgültige Ausmaß nocht nicht abzusehen war. Noch am 07.09. wird diesem Unwetter eine ganze Seite eingeräumt, mit vielen Fotos von den extremen Waldschäden. Rudolf Flender beobachtete kurz vor dem Unwetter starken Luftdruckfall. Er ist der Überzeugung, dass die schrecklichen Verwüstungen Folgen einer Windhose (Trombe) waren, wenn gleich er selbst keine beobachtet hat. Das Unwetter lies Kredenbach rechts liegen. Rudi Flender schätzte den Sturm "nur" auf Windstärke 11 (orkanartiger Sturm). Aprilwetter im Februar gab es 1966. Die Monatsmitteltemperatur betrug 5,6 °C' 1966 war mit einer Jahresniederschlagssumme von 1472 mm das bisher Nässeste Jahr. (vgl. Diagramm Nr. 7 und Tabelle Nr. 4) 1967 gab es einen Tag vor Weihnachten Starkniederschlag von 66 mm. Am 13.01.1968 wurde mit - 22,8 °C die bisher tiefste Temperatur gemessen. Ein Gewitter am 15.06.1968 brachte 87,5 mm Regen und verursachte Überschwemmungen. Der Winter 1969/70 geht als der Schneewinter in die Wettergeschichte ein. In Kredenbach lag die weiße Pracht vom25.11.1969 bis 19.03.1970. Es gab weiße Weihnachten und weiße Ostern. Erst am 29.04. war der Schnee entgültig geschmolzen. Laut SZ vom 10.03.1970 gab es auf dem Kahlen Asten mit 239 cm einen absoluten Schneerekord. Selbst am 08.04. lagen It. SZ auf dem Astenberg immer noch 207 cm Schnee, (vgl. Diagramm Nr. 2) Im Sommer 1974 gab es nur 3 Sommertage und 1 Tropentag. Der Oktober 1974 war mit einem Monatsmittel der Lufttemperatur von nur 4,6 °C außergewöhnlich kalt. Interessant ist, dass es im November 1974 (4,1 °C) und Dezember (4,1°C) und Januar 1975 (3,9°C) praktisch keine nennenswerte Abkühlung gab. Die Werte für Dez. 1974 und Januar 1975 sind absolute "Spitzenwerte". Die Tiefsttemperaturen im sehr milden Winter 1974 waren: -4,0 °C im Dezember, -4,3°C im Januar und -7,7°C im Februar. Die Winterdurchschnittstemperatur betrug 3,0 °C! (vgl. Tabelle Nr. 3) Es ist kaum vorstellbar, dass es 1975 keinen Eistag und nur 42 Frosttage gab. (vgl. Diagramm Nr. 3) Das Jahr 1976 war nach 1959 das zweittrockenste Jahr der letzten 40 Jahre. Interessant ist da eine Gegenüberstellung der Niederschlagswerte: Der Frühjahr und der Sommer 1976 waren trockener als das Frühjahr und der Sommer 1959. Der sehr nasse Januar ist letztendlich "schuld daran", dass das Jahr 1976 nur das zweittrockenste Jahr war. Der Sommer 1976 war nicht nur extrem trocken, sondern auch sehr warm. Es wurden 29 Sommertage und 14 Tropentage registriert (vgl. Diagramm Nr. 5). Am 04.07.1976 wurde mit 33,5 °C der höchste Temperaturwert der letzten 40 Jahre gemessen. Am 14.01.1979 wurde mit 61 cm die bisher höchste Schneedecke gemessen. Der Winter 1978/79 war der zweitkälteste der letzten 40 Jahre, (vgl. Tabelle Nr. 2) Der Sommer 1983 war noch trockener und noch heißer als der Sommer 1976. Die Niederschlagssumme betrug im Sommer nur 101 mm bei nur 22 Regentagen. Juli und August waren sehr sonnenreich. Die Bilanz des "Supersommers" 1983: 49 Sommertage und 9 Tropentage (vgl. Diagramm Nr. 5). Der Januar 1985 rangiert in der 40 jährigen "Hitliste" mit einem Monatsmittel von -5,7 °C an 3. Stelle. Noch kälter gebärdete sich der Februar 1986. Mit einem Monatsmittel von - 6,9 °C war er nur 1,1 °C wärmer als der Rekordhalter von 1956. 1 Tag Nordwind, 13 Tage Nordostwind und 13 Tage Ostwind sorgten nicht nur für extreme Kälte, sondern auch dafür, dass nur 5,6 mm Niederschlag fielen, (vgl. Tabelle Nr. 4) 1987 gab es nochmals einen sehr kalten Januar mit einem Monatsmittel von - 6,1°C. Das bedeutete den 2. Rang nach dem Rekordhalter von 1963. Der kalte Winter währte noch weit bis in den März. Am 04.03.1987 wurde sogar -17,0 °C gemessen. Mit einem Monatsmittel von -1,7°C war der März kälter als der Februar. Die Winter 1984/85 bis 1986/87 waren die letzten richtigen Winter im Siegerland (vgl.Tabelle Nr. 2) Obwohl das Jahrestemperaturmittel von 1988 genau dem Durchschnitt (7,6°C) entsprach, gab es in diesem Jahr nur 4 Eistage. Erstmals seit 1959 konnte man 1989 im Siegerland nochmals Nordlicht beobachten. Die Luftdruckverhältnisse der letzten 40 Jahre, habe ich bei meinen Auswertungen weitgehend außer acht gelassen. Dennoch soll hier auf 1 Extremwert hingewiesen werden. Am 26.02.1989 wurde mit 722 mm = ca. 963 hpa der tiefste Luftdruck "aller Zeiten" gemessen. Die 90iger Jahre begannen "recht normal". Im April 1993 konnten 3 Sommertage verzeichnet werden! Mit einem Mittel von 10 °C war der April 1993 3,3 °C zu warm! (Vgl. Tabelle Nr. 4) Die Supersommer 1994 und 1995 sind uns allen noch in guter Erinnerung. Gerne wurde der Begriff "Jahrhundertsommer" gebraucht. Ein Blick auf Tabelle 5 zeigt jedoch, dass insgesamt trotzdem der Sommer 1983 unerreicht an der "Spitze der Supersommer" bleibt. Er war sonnig, heiß und der trockenste im gesamten 40jährigen Beobachtungszeitraum. In der Anzahl der Tropentage ist jedoch der Sommer 1994 Spitzenreiter. Aber immerhin, von den 4 wärmsten Sommern waren 2 in den 90iger Jahren. Die Winter der 90iger Jahre waren alle sehr schneearm, (vgl. Diagramm Nr. 2) Von den letzten 8 Wintern waren 6 zu warm. 1993 gab es im Siegerland das letzte mal weiße Weihnachten. Insgesamt gab es in den letzten 40 Jahren 13 mal Schneedecke an allen 3 Weihnachtstagen. Keine Hinweise auf Klimaerwärmung im Siegerland Ein Blick auf Tabelle 4 zeigt, dass sowohl Wärme- als auch Kälterekorde gleichmäßig auf den Beobachtungszeitraum von 40 Jahren verteilt sind. Bestätigt wird dies auch durch Diagramm Nr. 6 und Tabelle Nr. 4. Die Niederschlagsverhältnisse im Siegerland haben sich ebenfalls in den letzten 40 Jahren kaum verändert, (vgl. Diagramm Nr. 7) Meteorologie ist ein interessantes Hobby. Vor Überraschungen ist man da nie sicher. Eins ist aber ganz sicher: Wetter wird es immer geben. Hoffentlich kann sich Rudolf Flender noch viele Jahre an seiner Wetterstation und den meteorologischen Ereignissen "Rund um Kredenbach" erfreuen. |